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Aus der Hirnforschung:
Warum uns Ängste und andere Emotionen "im Griff haben"

Emotionen – wie insbesondere unsere Ängste - dienen dem Überleben. Sie werden in unserem Gehirn an Stellen „verwaltet“, die schnell reagieren und ihrerseits unser Denken (bzw. die damit befassten Gehirnregionen) beeinflussen. Die mit Emotionen befassten Gehirnbereiche können auch Erinnerungen (genauer gesagt: Erfahrungen) speichern. Allerdings sind diese Erinnerungen meist nur sehr schemenhaft. Sie reichen jedoch aus, um blitzschnell eine emotionale Reaktion in Gang zu setzen. Beispiel: Bei einem Waldspaziergang in der Dämmerung erschrecken wir, weil uns ein Schatten wie ein großes Tier vorkommt. Wir erstarren, das Herz rast, wir sinnen über Flucht nach. Bei genauerer Betrachtung erkennen wir dann, dass es sich in Wirklichkeit um einen Busch handelt. Wir beruhigen uns, während uns unser Verstand eine Erklärung für die Situation liefert. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie sehr uns Emotionen dabei unterstützen, schnell zu reagieren und so möglicherweise in Gefahrensituationen zu überleben. Dabei nimmt die Natur in Kauf, dass wir fehl reagieren (nach dem Motto: Ein einziger Irrtum kann folgenreicher sein als mehrere Fehlalarme).

Unsere hervorgehobene Position als Menschen erklärt sich vermutlich aus unserer Fähigkeit, emotional bereits in Gang gesetzte Programme „bremsen“ oder „variieren“ zu können. Das Bewusstsein eröffnet uns also „Alternativen“ zu den im „Emotionsgehirn“ bereits fertig entworfenen und durch Außenreize abgerufenen Programmen. Dadurch macht es uns variabler und zugleich anpassungsfähiger an komplizierte Situationen (die sich allein durch Flucht oder Angriff nicht optimal lösen lassen). Menschlicher Fortschritt dürfte somit vor allem auf der Fähigkeit beruhen, Emotionen kontrollieren (stoppen, modulieren) zu können. Zugleich erklärt sich so das Leid mancher Menschen, die sich ihren Emotionen „ausgeliefert“ fühlen (unter Angststörungen leiden, süchtig werden, sich aggressiv verhalten, Essstörungen haben usw.) und diese Vorgänge auch nicht verstehen können. Solche Menschen darf man nicht verachten oder belächeln. Denn es ist extrem schwer, Emotionen mit dem Verstand zu kontrollieren. Dies liegt daran, dass weitaus mehr Nervenverbindungen Informationen von den Emotionszentren zu den Verstandeszentren leiten als umgekehrt. Das Emotionshirn hat somit weitaus mehr Einflussmöglichkeiten als die „Vernunft“.


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Viele psychische Erkrankungen lassen sich damit erklären, dass das Bewusstsein (der Wille) zu schwach ist, emotional in Gang gekommene Prozesse („Impulse“) zu hemmen. Die Betroffenen werden dann von ihren Emotionen („Impulsen“) beherrscht. Beispiele sind neben den Angststörungen auch Essstörungen, alle Süchte und andere schädigende Verhaltensweisen (wie etwa die Borderline-Störung). In diesen Fällen kann man auch von einer „Impulskontrollstörung“ sprechen. Eine zweite große Gruppe psychischer Erkrankungen zeichnet sich dadurch aus, dass es dem Bewusstsein misslingt, Emotionen richtig wahrzunehmen bzw. angemessen zu deuten. Emotional gefärbte Körperzustände (Herzrasen, Schwitzen, Druck, Zittern, Frieren) werden entweder komplett ignoriert oder irrtümlich als die „eigentliche Gefahr“ fehl interpretiert. Solche Personen irren oft jahrelang von Arzt zu Arzt, bis als eigentliche Ursache eine Angststörung erkannt wird.

Bei emotional begründeten Störungen versagt nicht nur die „Verstandesbremse“, vielmehr tritt das Bewusstsein eher noch auf das Gaspedal. Ein typisches Beispiel dafür sind katastrophisierende Gedanken von Panikkranken („Jetzt sterbe ich gleich“ – wenn das Herz rast oder Schwindel auftritt) und Depressiven („Ich kann nichts.“ „Ich bin nichts wert.“ „Das wird auch nicht klappen.“). Kognitive Therapie nutzt die Möglichkeiten des Verstandes, Emotionen zu steuern, indem sie das Denken entsprechend schult und trainiert. Schneller und zuverlässiger wirken bei emotionalen Störungen vermutlich verhaltenstherapeutische Ansätze. Bei diesen setzen sich die Betroffenen den gefürchteten oder gemiedenen Situationen aus, wodurch sie korrigierende Erfahrungen machen können. Letztere sind offenbar besonders gut geeignet, die im Emotionshirn gespeicherten Informationen zumindest teilweise zu überschreiben bzw. zu modifizieren. Bei weiteren ähnlichen Reizen reagiert das Emotionsgehirn dann möglicherweise schon deutlich schwächer. Dagegen nimmt die kognitive Therapie in Kauf, dass der Organismus durch das Emotionsgehirn in Alarmbereitschaft versetzt wird, wobei anschließend eintreffende „Kommandos der Verstandeszentrale“ die vorprogrammierten Aktionen noch unterbinden können. Dass die „Alarmbereitschaft“ entsprechend veranlagter Menschen komplett beseitigt werden kann, ist unwahrscheinlich und von der Natur wohl auch nicht gewollt. Denn die Fähigkeit zur Alarmbereitschaft fördert ja unserer Überleben. Wer etwa zu Panikattacken neigt, kann daher auch nach 20 Jahren „Pause“ noch von einer Panikattacke überrascht werden. Für „emotionskompetent“ gewordene Menschen dürfte dies jedoch kein Problem mehr sein, da sie ja mittlerweile wissen, wie sie mit solchen Situationen umgehen können.

Literatur:

  • Wassermann, Claudia: Die Macht der Emotionen. Wie Gefühle unser Denken und Handeln beeinflussen. Primus Verlag 2002. ISBN 3-89678-430-7
  • Ledoux, Joseph: Das Netz der Gefühle. Wie Emotionen entstehen. Hanser Verlag 1998. ISBN 3-446-19308-1
  • Damasio, Antonio R.: Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins. List, 2. Auflage 2000. ISBN 3-471-77349-5

 


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